Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg
Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts
Compassion

Brief des Ministerpräsidenten

Brief des Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg
an Stiftungsdirektor Dietfried Scherer vom 28. Juli 2000

Erwin TeufelAn internationale Erfolge sind deutsche Schulprojekte nicht gerade gewöhnt. Und doch, es gibt sie! Am 16. November 2002 hat die Europäische Elternvereinigung, ein Zusammenschluss von 55 Elternvereinigungen aus 23 Länder, Compassion unter insgesamt 22 eingereichten Projekten mit dem Alcuin-Award ausgezeichnet. Der Preis wird seit 14 Jahren für innovative Schulprojekte verliehen, die in ihren Herkunftsländern erprobt sind, die Aussicht auf eine europaweite Einführung haben und eine Beteiligung der Eltern vorsehen. Diese Kriterien erfüllt nach Meinung der diesjährigen Jury das durch die KED vorgeschlagene Projekt in besonderer Weise.

Compassion ist der programmatische Name eines Projekts sozialen Lernens. Es geht zurück auf eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und von Dr. Adolf Weisbrod (Freiburg), die erstmals an Freien Katholischen Schulen in Baden-Württemberg umgesetzt wurde. Während des Schuljahres verrichten Schülerinnen und Schüler zwei Wochen lang Dienste in einer sozialen Einrichtung wie z.B. Altenheimen, Behinderteneinrichtungen usw. Das Wichtige ist, dass die Praktika mit dem Schulunterricht thematisch verbunden werden. So werden die Schülerinnen und Schüler auf Ihre Tätigkeiten in den sozialen Einrichtungen nicht nur vorbereitet, sondern haben vor allem auch die Möglichkeit, in der Nachbereitung ihre oft einschneidenden Erfahrungen zu reflektieren und in ihren persönlichen Lebensentwurf zu integrieren. Ziel des Projekts ist es, in der Begegnung mit Menschen, die aus welchen Gründen auch immer auf die Hilfe anderer angewiesen sind, das Empfinden von Sozialverpflichtung und die Bereitschaft zur Solidarität reifen und wachsen zu lassen. Es geht um die Fähigkeit, die Welt mit den Augen anderer sehen zu lernen, um Empathie als der Grundlage für Respekt und Wohlwollen.

Diese Werte gewinnen in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft eine immer größere Bedeutung, weil sie der Entwicklung von Ressentiment, Abwehr und Hass vor allem gegen schwächere Menschen entgegensteuern.

Die Implementierung des Projekts an den Schulen in Baden-Württemberg und seine Übernahme in unterschiedlichen deutschen Schultypen wurde von Prof. Dr. Lothar Kuld (Pädagogische Hochschule Karlsruhe) von 1996 bis 1998 wissenschaftlich begleitet und regelmäßig evaluiert. Auch Prof. Dr. Jürgen Rekus von der Universität Karlsruhe war an der pädagogischen Begleitung von Anfang an beteiligt. Der Erfolg des Projekts hat beide Wissenschaftler nun ermutigt, die Möglichkeiten und Schwierigkeiten zu untersuchen, das Compassion-Projekt in anderen europäischen Ländern einzuführen. Im Rahmen des EU-Förderprogramms COMENIUS soll dieses Modell sozialen Lernens an Schulen in den Niederlanden, in Belgien, Österreich, Tschechien, Polen und Litauen erprobt werden. Die am Projekt beteiligten Schulen werden von inländischen Pädagogischen Instituten, die mit der Lehrerausbildung und Lehrerweiterbildung befasst sind, begleitet. Ziel des Projekts Compassion II ist die Analyse der landesspezifischen Voraussetzungen und Bedingungen für die Übernahme und erfolgreiche Implementierung des Projekts an diesen Schulen.


Die Chancen für eine erfolgreiche Adaption wurden auf einer vorbereitenden Tagung im Oktober 2002 unterschiedlich beurteilt. Die Probleme sind von Land zu Land verschieden. Es mangelt nicht an Willen zur Umsetzung, sondern, vor allem in Osteuropa, an den notwendigen Kooperationen zwischen Schulen und Pädagogischen Institutionen. Hier soll das Projekt neue Bildungsallianzen schmieden.

Am Ende der dreijährigen Projektphase hoffen die Professoren Kuld und Rekus ein Curriculum "Standards sozialen Lernens an Schulen" für die Lehrerfortbildung an europäischen Schulen und einen Katalog von Organisationsformen vorlegen zu können, der über die unterschiedlichen Voraussetzungen und Konzepte sozialen Lernens an Schulen in den beteiligten Ländern informiert. Außerdem soll ein Ländervergleich über den Status der Abschlusszertifikate, welche die beteiligten Schulen für das Sozialpraktikum verleihen, erstellt werden


Es geht um die Fähigkeit, die Welt mit den Augen anderer sehen zu lernen, um Empathie als der Grundlage für Respekt und Wohlwollen.
Die Probleme sind von Land zu Land verschieden. Es mangelt nicht an Willen zur Umsetzung, sondern, vor allem in Osteuropa, an den notwendigen Kooperationen zwischen Schulen und Pädagogischen Institutionen.

Am Ende der dreijährigen Projektphase hoffen die Professoren Kuld und Rekus ein Curriculum "Standards sozialen Lernens an Schulen" für die Lehrerfortbildung an europäischen Schulen und einen Katalog von Organisationsformen vorlegen zu können.