Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg
Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts

Eine Welt AG (St. Ursula Frbg)

"Eine-Welt-AG" am St. Ursula-Gymnasium in Freiburg

Das Thema „Dritte Welt“, das noch in den 70er und 80er-Jahren viele Jugendliche bewegt hat, scheint gegenwärtig nur noch am Rande aufzutauchen. Angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten im eigenen Land kreist die Aufmerksamkeit eher um den eigenen Wohlstand als um die Armutsregionen der Erde – trotz aller Diskussionen um die Globalisierung. Dass Jugendliche dennoch zu solchem Engagement bereit sind, wenn dieses auf authentischen Begegnungen gründet, zeigt ein Beispiel aus dem St. Ursula-Gymnasium in Freiburg.

Vor mehr als zehn Jahren hat sich an unserem Gymnasium die „Eine-Welt-AG“ gebildet, der im vergangenen Schuljahr etwa 80 Schülerinnen der Klassen 5 bis 13 angehörten. Als Leiterin der AG kenne ich aus eigener Erfahrung die Situation vieler Länder Lateinamerikas und habe über einen längeren Zeitraum hinweg in Indien junge indische Ordensschwestern unterrichtet.

Unsere Gruppe trifft sich regelmäßig zum Austausch über die Situation in der so genannten Dritten Welt. Wir informieren in unserer Schule über aktuelle Fragen und Probleme, wir regen die Übernahme von Patenschaften an und wir planen gemeinsame Aktionen, bei der auch viele Lehrer und Schülerinnen über unsere AG hinaus mithelfen. So konnten wir im letzten Schuljahr bei der Aktion­ „Wassertropfen für Indien“ fast 1000 Gäste zu einem indischen Essen begrüßen. Der Erlös dieses Abends kam dem Projekt zugute, das dem akuten Wassermangel in Indien abhelfen soll. Denn jährlich sterben dort rund eine Million Kinder an Durchfallerkrankungen, die auf verschmutztes Wasser zurückzuführen sind.

Eine Welt

Die "Eine-Welt-AG" des St. Ursula Gymnasiums Freiburg

Im August 2004 fand in unserer Aula wieder ein Indien-Abend statt unter dem Motto „Ich will tun, was ich kann“. Der Erlös dieses Abends kam einem Mädchenprojekt zugute, das in der Diözese Khandwa/Indien liegt. Leo Cornelio, der Bischof von Khandwa, war aus Indien gekommen und feierte mit uns zu Beginn der Veranstaltung einen Gottesdienst mit indischen Elementen.
Außerdem betreibt unsere Arbeitsgemeinschaft einen „Eine-Welt-Laden“, in dem wir jeden Mittwoch während der Großen Pause oder bei Veranstaltungen in der Schule Kaffee, Tee, Schokolade oder Reis aus fairem Handel anbieten.

Suppenküche im Rahmen der Aktion "Wassertropfen für Indien"

Wichtig ist für uns auch der enge Kontakt zu Schwester Baptista Simons. Die heute 85-jährige Niederländerin lebte und arbeitete 46 Jahre in Indien. Dort gründete sie eine Ordensgemeinschaft, die sich um Arme, Leprakranke, Stra­ßen­kin­der, Frauen, Waise und alte Menschen kümmert. Besonders engagiert hat sich Schwester Baptista für die Ausbildung von Mädchen und die Förderung von jungen Frauen, denn sie und die indischen Schwestern sind der Auffassung, dass nur ausgebildete jungen Menschen die Verhältnisse im Land verändern können. Heute gehören der Gemeinschaft ungefähr 170 junge indische Schwestern an.

Seit 46 Jahren in Indien für die Ärmsten da: die 85-jährige Schwester Baptista

Schwester Baptista besucht uns regelmäßig. Sie gibt der Gruppe wichtige Denkanstöße. Im Austausch mit ihr erfährt die AG immer wieder, dass die Kraft Berge zu versetzen in uns allen liegt – dass wir uns dafür einsetzen müssen, dass es eines Tages wirklich nur noch eine Welt gibt, in der wir menschenwürdig leben können und in der die Ethik des Teilens den Vorrang vor einer Ethik des Eigeninteresses hat.