Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg
Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts
Compassion

COMPASSION - Soziales Lernen

ELTERNforum 1-2000

Soziales Lernen in Praxis und Fachunterricht

Compassion - nicht nur für die Schule

Der Arbeitskreis katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland führte vom 14. -16. Februar 2000 mit großem Erfolg eine Fachtagung in Bensberg zum Thema "Compassion - Soziales Lernen in Praxis und Fachunterricht" durch. Im Rahmen des Compassion-Projektes arbeiten Schülerinnen und Schüler der Klassen 9-11 für zwei bis drei Wochen in sozialen Einrichtungen, wie Altenheimen, Krankenhäusern, Behindertenheimen u.a. mit (siehe auch ELTERNforum 4/96)

In der einleitenden Pressekonferenz betonte der Leiter der Zentralstelle Bildung, Dr. Eckehard Nordhofen, dass vielfach zu sehr einseitig schulische Bildung als Vorbereitung für eine spätere Beschäftigung gesehen werde. Bildung sei aber mehr als Dienstleitung für das Beschäftigungssystem.
Es gehe für eine gute Bildung vielmehr auch wesentlich darum, Empfindlichkeit für das Leid des Anderen zu erwecken. Schon allein durch die Medienflut werde der Einzelne aus Selbstschutzgründen gezwungen, sich einen "Panzer" umzulegen. Es drohe eine Gefahr des Abstumpfens. Signifikant sei ferner die Haltung vieler jugendlicher "cool zu bleiben", Empfindlichkeiten einfach überspielen zu wollen. Die Jugendlichen bekämen im Rahmen ihrer Arbeit bei Compassion die Möglichkeit, auch einmal andere Seiten bei sich selbst zu entdecken.

Der Direktor a.D. der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg, Dr. Adolf Weisbrod, der zusammen mit einer Arbeitsgruppe das Compassion-Projekt maßgebend mit konzipiert, an den Katholischen Freien Schulen der Erzdiözese Freiburg eingeführt und betreut hat, stellte heraus, wesentlich an Compassion sei, dass die Fragen sozialer Sensibilität auch in den einzelnen Unterrichtsfächern aufgegriffen würden. Hierdurch - das habe die Studie (s.u.) eindeutig ergeben - sei das Quantum der Nachhaltigkeit der aktiven Tätigkeit in den verschiedenen sozialen Institutionen erheblich gestiegen.
Die Bund-Länderkommission für Bildungsplanung und Bildungsförderung habe die Initiative als Pilotprojekt anerkannt und zusammen mit dem Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg finanziell gefördert. Diese Pilotphase habe Prof. Dr. Lothar Kuld von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in den Jahren 1996 -1998 begleitet und eine abschließende Studie erstellt. Projekt- und Untersuchungsergebnisse würden den etwa 250 Tagungsteilnehmern aus allen (katholischen) Schulen vorgestellt.
Ferner sei besonders herauszustellen, dass nach den übereinstimmenden Berichten von betroffenen Eltern, Lehrern und Kindern sowohl im Elternhaus als auch in den Schulen das allgemeine Klima sich wohltuend positiv entwickelt habe.
Mittlerweile beteiligen sich über 60 katholische und mehrere staatliche Schulen an der Initiative.

Prof. Dr. Johann Baptist Metz,Münster, hob hervor, dass für ihn Compassion vor allem "teilnehmende Wahrnehmung fremden Leids" bedeute.
Diese Wahrnehmung sei aber nicht nur schulisch wichtig, sondern müsse auch in die allgemeine Gesellschaft, besonders aber in die Politik hineingetragen werden. Ziel müsse sein, "Compassion" als globales Lebensprinzip anzugehen und zu propagieren. Letztlich sei jeder Einzelne gefragt. Wie im Gleichnis vom barmherzigen Samariter dürfe der Einzelne eben nicht vorbeigehen, sondern müsste stehen bleiben und helfen.

Im März erscheint im Herder-Verlag - ISBN 3-451-27211-3 (DM 24,80) die von Prof. Dr. Metz, Prof. Dr. Kuld und Dr. Weisbrod herausgegebene Darstellung "Compassion -Weltprogramm des Christentums", in der sich namhafte Autoren mit den verschiedenen Aspekten des Compassion-Projektes befassen.

Eduard Herder
in ELTERNforum 1-2000